IPArlando


Seit dem Sommersemester 2013 bietet die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität einen speziellen Kurs an, in dem die Studenten das lautgerechte Singen in Fremdsprachen lernen. Denn während in den USA der Diktion und der lautgerechten Transkription mittels IPA große Bedeutung beigemessen wird – eine beachtliche Zahl an neueren Publikationen zu dem Thema verdeutlicht das –, ist in Deutschland dieses Thema wenig oder gar nicht präsent.

Damit auch in Deutschland angehende Sänger die Chance haben, fremdsprachliche Texte lautgerecht auszusprechen, wurde von Janin Czilwik, Michele Castellarin und Fabio Tosques ein Kurs konzipiert, der in das IPA-System einführt, mit den Dozenten und Studierenden die lautgerechte Aussprache einübt, das Lesen und Schreiben von transkribierten Arien usw. ermöglicht und Eigenheiten der Diktion in den Sprachen Deutsch, Italienisch und Französisch berücksichtigt.


„Die Opernsänger sollten unumgänglich folgende Eigenschaften besitzen: eine hellklingende, reine Stimme, deutliche gute Aussprache, kunstvollen Gesang, richtige Deklamation […], um die Affekte und Leidenschaften richtig darzustellen“. Dies forderte bereits 1837 in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ ein unbekannter Autor.


Auch Goethe fasste um 1803 ein Regelwerk für Schauspieler zusammen, in dem er ebenso die Prägnanz der Worte hervorhob, denn „wenn mitten in einer tragischen Rede sich ein Provinzialismus eindrängt, so wird die schönste Dichtung verunstaltet und das Gehör des Zuschauers beleidigt. […] Kein Provinzialismus taugt auf die Bühne!“

Schon 1837 wusste man, um noch einmal auf die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ zurückzukommen, dass es nicht genug in der Oper sei, wenn man gut singe. Denn: „Wie kann [...] derjenige gut singen, der die Worte brandmarkt, da die gute Aussprache der Sylben einen Theil des schönen Gesangs ausmacht“.Die Thematik der korrekten Aussprache und der unmittelbar damit verbundene Affekt hat bis heute nichts an Brisanz verloren.


Speziell für die Bedürfnisse deutscher Muttersprachler beim Erlernen der authentischen Aussprache des Italienischen und Französischen ist durch die verwendeten Unterrichtsmaterialien ein umfangreiches Kompendium mit Aussprachehinweisen, IPA-Eigenheiten und zahlreichen Transkriptionsbeispielen von Arien für alle Stimmgattungen in den drei Sprachen entstanden. Aus diesen wertvollen Materialien planen wir nun ein Handbuch für Gesangspädagogen und angehende Sänger zu erstellen, das in Zukunft als Grundlage für die korrekte Aussprache genutzt werden kann.

Inhaltlich behandelt der Kurs und damit das Handbuch folgende Themenschwerpunkte:

  • eine kurze Sprachgeschichte für jede Sprache (Deutsch, Französisch, Italienisch) soll helfen, die Besonderheiten der Aussprache in ihren diachronen Entwicklungen zu verstehen;
  • phonetische Grundlagen;
  • das Vokalsystem und das Konsonantensystem der jeweils angebotenen Sprache;
  • Prosodie und suprasegmentale Merkmale;
  • sonstige phonetische Besonderheiten in den einzelnen Sprachen;
  • kontrastiver Vergleich der Sprachen untereinander.

Transkriptionsbeispiele von Arien für die unterschiedlichen Stimmgruppen dienen im umfangreichen Anhang der Anwendung, Übung und Vertiefung des Gelernten.

Der sprachwissenschaftliche Anteil des Projekts wird derzeit von Prof. Dr. Dieter Kattenbusch betreut, der als Professor der romanischen Sprachwissenschaft für Italienisch und Französisch an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig ist.

Für die gesangspädagogische Betreuung zeichnet sich Prof. Martin Bruns verantwortlich, der das Projekt letztlich initiiert hat.